Einladung des AK Glauben und Naturwissenschaft Start zur DV 2019

Je brisanter das Weltwissen wird, desto wichtiger ist, dass ihm der Glaube als Partner zur Seite steht. Wie das gelingen kann, darüber wollen wir einen vielstimmigen Dialog führen. Für den laufenden Austausch haben wir ein Online-Forum eingerichtet.

Das Buch des Wissens über die Natur wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit und nicht weniger atemberaubenden Ergebnissen: Über das Universum als Ganzes, über Elementarteilchen im Kleinen und über alle komplexen Systeme dazwischen, sei es das Weltklima oder der Mensch und sein Gehirn. Materialien und Substanzen mit neuartigen Eigenschaften werden mit Methoden entwickelt, die der biochemischen Werkstatt der Natur abgeschaut sind. Künstliche Intelligenz soll die fehleranfällige Intelligenz des Menschen überflügeln und z.B. die Welt des Autofahrens sicherer machen. Hochtrabende Hoffnungen auf die nächste Evolutionsstufe jenseits des Menschen treffen auf tiefgehende Ängste vor dem Ende der Menschheit, wenn der Ast, auf dem wir sitzen, bricht.

Und was sagt der Glaube dazu? Hat er überhaupt etwas dazu zu sagen? Historisch hat er sich mächtig die Finger verbrannt an seinem Anspruch, das relevante Wissen zeitlos und dogmatisch geordnet zu haben. Und so trifft der Glaubende auf Zeitgenossen, die ihn süffisant fragen: „Glaubst du noch, oder weißt du schon?“ Keine Frage: Wo der Glaube sich in Widerspruch zu Wissbarem setzt, hat er schlechte Karten. Doch umgekehrt ist jedes Wissen der Sklave eines Wollens, das es nutzt. Kein Wissen kann wissen, was es mit sich anfangen soll. Glaube als gestaltende Kraft hinter jedem Handeln leitet auch die Wissensgenerierung und entscheidet über seine Nutzung. So versetzt er Berge.

Eine Beschränkung von Glaube und Wissenschaft auf zwei Erkenntnisformen empfinde ich als unbefriedigend. Die drängenden Fragen nach verantwortlichem und nachhaltigem Handeln bleiben dann ausgeklammert. Dabei, so meine ich, werden beide dringend als Teampartner gebraucht, um drohende Apokalypsen abzuwenden (Bewahrung der Schöpfung), gar eine heilsgeschichtliche Entwicklung voranzutreiben (Frieden und Gerechtigkeit).

Doch wie werden diese beiden, oft so widersprüchlich erscheinenden und historisch verfeindeten Partner ein Team? Sicher nicht, indem der eine dem anderen erklärt, wie die Welt funktioniert. Die Gefahr gegenseitiger Anschuldigungen bei gleichzeitiger Rechtfertigung der eigenen Position ist real und erheblich. Als Reaktion auf die schnellen Veränderungen unserer Welt und der völlig überfordernden Komplexität der unüberschaubaren Zusammenhänge ist die Sehnsucht nach einfachen, stabilen Antworten, Lösungen, Weltbildern groß. Der Zulauf zu populistischen Bewegungen im politischen wie kirchlichen Raum ist ein unübersehbares Signal. Viel erfolgversprechender erscheint mir ein offener Dialog, der freilich keinen der Partner unverändert lassen wird. Zum Glück gibt es auch hierzu Wissen, z.B. aus der Gruppenpsychologie oder der Organisationsentwicklung, das genutzt werden kann, um konstruktives Miteinander zu fördern und sich auftuende Fallen und Abgründe zu analysieren und zu reflektieren.

Damit habe ich von der abstrakten Ebene von Glauben und Naturwissenschaft übergeleitet in die konkrete Arbeit des angedachten Arbeitskreises. Denn Glauben und Wissen, sowohl der inhaltliche Ausschnitt als auch die emotionale Färbung, gehören jeweils höchst individuellen Personen. Ich stelle mir vor, dass wir zusammenkommen aus dem Wunsch heraus, unsere eigenen Vorstellungen vom Zusammenspiel von Glauben und Naturwissenschaft zum Ausdruck zu bringen und an den Vorstellungen Anderer wachsen und reifen zu lassen. Vielleicht entstehen dabei Ergebnisse, die es wert sind, veröffentlicht zu werden.

Die Arbeit im AK Glauben und Naturwissenschaft: Das EAiD Internet-Forum

Bertram Salzmann und ich haben in den letzten Monaten eine Forum-Struktur geschaffen, die es erlaubt, den oben angerissenen Dialog zu führen. Sie funktioniert wie jedes Forum: Teilnehmer können spezielle Themen oder Fragestellungen eröffnen, dazu Beiträge schreiben und auf die Beiträge anderer antworten. Damit sich dabei der gewünschte Dialog quasi selbstorganisiert herausbilden kann und auch zu Ergebnissen führt, haben wir einige Vorgaben festgelegt, mit denen wir starten wollen:

Das Forum ist nicht-öffentlich, da meine persönlichen Erfahrungen in öffentlichen Foren zeigen, dass Diskussionen um Glaubensfragen kaum zu bändigen sind. Während die Mitglieder der EAiD, die am Forum teilnehmen, zugleich die Mitglieder des Arbeitskreises bilden, freuen wir uns auch über viele externe Gäste, die von den bestehenden Teilnehmern eingeladen werden. Diese können sich zunächst umschauen und sich bei Interesse von mir registrieren lassen und fortan an unserem Dialog teilnehmen.

Als Moderator erledige ich alle Arbeiten, die über das Schreiben und Absenden von Beiträgen hinausgehen und der Ordnung im Forum dienen.

Das Forum enthält sechs Unterforen, die in einem inneren Zusammenhang stehen. „Über dieses Forum“ erlaubt den Austausch über die technischen Funktionen und die Reflexion der Dialogerfahrungen. Auch persönliche Treffen unter den Mitgliedern und Agenden dazu können dort organisiert werden. „Persönliches“ ist nur für registrierte Teilnehmer sichtbar und bietet Raum für die persönliche Vorstellung sowie für Ideen, Gedanken und Fragen. Das dritte Unterforum bietet Platz, „Quellen“ aufzugreifen und uns mit dem dort Geschriebenen auseinanderzusetzen. Unter „Argumente“ können spezielle Argumentationslinien, die sich quellenübergreifend finden, unter die Lupe genommen und abgeklopft werden. Daran schließt sich eine „Werkstatt“ an, in der wir innovative, kreative, ernste, lustige Zusammenhänge herstellen und in Text gießen können. Schließlich ist ein „Schaufenster“ vorbereitet, in das sich die Ergebnisse der Arbeit einstellen lassen, die wir auch guten Gewissens veröffentlichen können.

Seien Sie eingeladen, nehmen Sie teil!

Damit das keine Theorie bleibt, freue ich mich über viele Mitglieder und Gäste in unserem Forum. Wenn Sie das Thema interessiert, Sie gar mitschreiben möchten oder einfach nur mal erfahren wollen, wie so ein Internet-Forum funktioniert, schreiben Sie mich an unter Winfried.Dressler@gmx.de.

Winfried Dressler (55 Jahre) ist Pfarrerssohn und Physiker und war lange leitend in Unternehmen des Maschinenbaus tätig. Heute berät er Firmen in Fragen des Innovationsmanagements und der Innovationskultur. Als Mitglied des ea-Landesverbandes Württemberg hat er 18 Jahre die Tage biblischer Besinnung in Löwenstein geleitet.