Die Anfragen des Blogbeitrags „Dialog 2“ an die Theologie treffen auf ein bestimmtes Verständnis von Schöpfung, Mensch und Verantwortung. Dieses Verständnis verdichtet Beiträge aus dem Arbeitskreis „Glaube und Naturwissenschaft“. Es versteht Schöpfung nicht als kausale Erklärung, sondern als Deutung von Welt, Mensch und Verantwortung – exemplarisch, nicht abschließend. Es soll hier zunächst in seiner eigenen Sprache sichtbar werden:
Herkunft und Stellung des Menschen in der Ordnung des Lebendigen – theologisch gedeutet
Theologisch gesprochen stammt der Mensch nicht aus einem Prozess, sondern aus einem Grund. ‚Herkunft‘ meint hier nicht: Wie ist der Mensch entstanden? Sondern: Dass er ist – getragen von einer Bezogenheit, die ihn umfasst und übersteigt. Dieses ‚Dass‘ ist der Ursprungssinn der Schöpfung: Die Welt ist mehr als ein Naturgeschehen; sie ist eine angesprochene, bedeutungsoffene Wirklichkeit – offen dafür, als sinnvoll und antwortbedürftig verstanden zu werden.
Diese Welt erscheint im biblischen Zeugnis als eine geordnete Vielheit des Lebendigen. Licht und Finsternis, Wasser und Land, Pflanzen und Tiere, Tag und Nacht – eine Ordnung, die Leben trägt. Der Mensch ist Teil dieser Ordnung, nicht ihr Gegenpol: geformt aus Erde, lebendig durch Atem, verortet unter den anderen Geschöpfen.
Doch der Mensch ist zugleich das Geschöpf, das diese Ordnung verstehen kann. Er erkennt die Zusammenhänge, in denen er lebt, und kann sie hüten oder verletzen. In ihm begegnet sich eine grundlegende Polarität der Schöpfung: Bedürftigkeit und geistige Größe, „Staub“ und „Ebenbild“. Seine Stellung ist Polarität, nicht Dominanz: Er steht nicht über der Ordnung, sondern so in ihr, dass er sie deuten und mitgestalten kann.
Aus dieser Herkunft – dem Getragensein durch Gott und durch die Ordnung des Lebendigen – erwächst dem Menschen ein Auftrag: nicht zu herrschen, sondern zu behüten und zu gestalten. Der Bund Gottes umfasst „alles Fleisch“ und die Erde selbst; Verantwortung gilt daher der ganzen Ordnung, nicht nur dem Menschen. Schöpfung ist nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart: die ständig erneuerte Beziehung, in der Gott treu bleibt, auch wenn der Mensch gefährdet, überfordert oder fehlbar ist.
Hoffnung ist in diesem Licht keine Prognose, kein Heilsautomatismus. Sie ist Beziehungsgewissheit: Gott bleibt da, mitten in einer verletzlichen Welt. Diese Hoffnung ist keine Voraussetzung, sondern eine Deutung von Handeln im Offenen. Sie entbindet nicht von Verantwortung, sondern vertieft sie.
So erscheint der Mensch theologisch als ein geschöpfliches, verstehendes und verantwortliches Wesen: getragen vom Grund, verwoben in der Ordnung des Lebendigen, gerufen zu einer Haltung, die Bewahrung, Freiheit und Hoffnung in sich vereint. Er ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern ihr Mitgeschöpf und Mitgestalter – Teil einer Ordnung, die größer ist als er – und fähig, ihr Sinn und Stimme zu verleihen.
(Fortsetzung folgt: Von hier aus lassen sich die zuvor formulierten Anfragen neu lesen – und beantworten.)
W. D.
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