Zum Hintergrund und zur Arbeit des Arbeitskreises „Kirchenreform“

Unter der Überschrift „Quo vadis, Kirche? Über die Zukunft des Evangelischen Christentums“ gab es am 15. Februar 2021 ein Online-Gespräch, organisiert vom EAiD-Landesverband Berlin-Brandenburg. Das Impulsreferat für diese Zusammenkunft begann mit einer Situationsbeschreibung: „Die Evangelische Kirche in Deutschland wird gesellschaftlich zunehmend bedeutungslos. Ihre vielfältige gesellschaftliche Präsenz und ihr vielerorts segensreiches Wirken ändern nichts an dieser Diagnose. Ihre zunehmende Bedeutungslosigkeit ist ihrer zunehmend geistlichen Substanzlosigkeit geschuldet. Denn innerhalb der Evangelischen Kirche herrscht intellektuelle wie geistliche Armut (Ausnahmen bestätigen die Regel).“ Eine Reihe von Mitgliedern der EAiD teilt diese Diagnose und leidet in und an diesem Zustand! Der evangelische Pfarrer und Religionslehrer Dr. Markus Beile veröffentlichte ein Buch zum Thema mit dem selbstredenden Titel: Erneuern oder untergehen. Evangelische Kirchen vor der Entscheidung (Gütersloh 2021).

Im Januar 2024 haben sich in Göttingen aufgrund einer Initiative des evangelischen Theologieprofessors Dr. Joachim Kunstmann sehr unterschiedliche kirchenkritische Gruppen zum „Netzwerk Reform des Christentums“ (NRdC) zusammengeschlossen und das so genannte Göttinger Manifest als einen „Reformanstoß für weitere kritische Überlegungen zur Zukunft und Reform der Kirche und des Christentums“ (www.Netzwerkreform.de) verabschiedet. Die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland (EAiD) war durch die Theologin Dr. Katarína Kristinová, Vorsitzende des EAiD-Landesverbands Berlin-Brandenburg, vertreten. Sie hat das betreffende Manifest als einzige der an dem Göttinger Treffen Teilnehmenden nicht unterschrieben! Ihre Kritik: Zum einen sei das „Manifest“ nicht das Resultat eines gründlichen Diskurses, zum anderen entbehre es (als Resultat des Nicht-Diskurses) einer ernst zu nehmenden theologischen Grundlage.

Die EAiD ist nicht Mitglied des betreffenden Netzwerkes! Auf der Mitgliederversammlung der EAiD vom 5.-7. April 2024 in Hofgeismar, auf der auch Dr. Markus Beile (s.o.) einen Vortrag hielt, bekam Dr. Katarína Kristinová den Auftrag, einen Arbeitskreis „Kirchenreform“ zu gründen, zunächst mit der Aufgabe, sich mit dem „Göttinger Manifest 2024“ kritisch zu befassen und eine entsprechende Stellungnahme zu formulieren.

Das „Göttinger Manifest 2024“ ist am 26. April 2024 in der Zeitschrift Publik-Forum (Nr. 8, S. 17) und im Juli 2024 im DEUTSCHEN PFARRERINNEN- UND PFARRERBLATT (Nr. 7/2024, S. 389 f.) veröffentlicht worden. Und der neu gegründete EAiD-Arbeitskreis „Kirchenreform“ hat in mehreren Online-Treffen eine Stellungnahme zum Göttinger Manifest verfasst. Sie soll im DEUTSCHEN PFARRERINNEN- UND PFARRERBLATT veröffentlicht werden und wird voraussichtlich auch eine Grundlage sein, seitens der EAiD mit Vertreterinnen und Vertretern des Netzwerks „Reform des Christentums“ im Gespräch zu bleiben. Bereits am 22.11.2024 gab es eine Online-Veranstaltung des EAiD-Landesverbands Berlin-Brandenburg, auf der Prof. Dr. Joachim Kunstmann einen Vortrag unter der Überschrift „Quo vadis, Kirche? Vom Glaubensmuseum zum lebendigen Ort“ hielt.

Sowohl das Göttinger Manifest 2024 als auch die Stellungnahme zum Göttinger Manifest („Kritik am Göttinger Manifest“)  stehen als PDF-Dateien zur Verfügung. Auch der Vortrag von Prof. Dr. Joachim Kunstmann ist nachzuhören über unsere EAiD-Homepage.

Christian Reich

(Mitglied des EAiD-Bundesvorstands und des Arbeitskreises „Kirchenreform“)