Zuwanderung – Identität – Krieg Russischsprachige in Deutschland. Das Beispiel Nürnberg. | Samstag, 21.11.2026 14:30-16:30 Uhr, Eckstein, Nürnberg

Vortrag und Diskussion mit Dr. Sabine Arnold

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie Nürnberg

Ort: Haus Eckstein, Burgstr. 1-3,  Nürnberg (Raum E.01, siehe Anschlag vor Ort)

Eintritt frei

Anmeldung: Erwünscht, bitte per Mail an Reza Kharrazian, kharrazian@ev-akademiker.de

Zum Thema

Nürnberg ist eine besonders russischsprachige Stadt. Wer in Nürnberg in die U-Bahn steigt oder durch die Einkaufszone geht, hört häufig Menschen auf Russisch miteinander reden. Besonders seit 2022, als viele Geflüchtete aus der Ukraine dazukamen.

In Zahlen: 10% der Nürnberger Bevölkerung haben familiäre Wurzeln in einem Land der ehemaligen Sowjetunion. Etwa 8% von ihnen sind sog. Russlanddeutsche, die in den 1980er oder 1990er Jahren nach Nürnberg kamen. Sie haben seitdem hier bei uns vieles erlebt: unzureichende Integrationsmaßnahmen, rassistische Stereotypisierung, Marginalisierung.

Die meisten der damals Zugewanderten haben sich hineingewurschtelt in die deutsche Gesellschaft, haben selbst auf AEG geschafft oder bei Quelle Pakete gepackt, Putzstellen angenommen, egal ob sie Lehrerinnen waren oder Ingenieure. Und sie haben viel Kraft in die Ausbildung ihrer Kinder gesteckt: „Die Kinder sind unsere Zukunft!“ Diese sind inzwischen selbst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – in sozialen oder technischen Berufen, in der medizinischen Versorgung oder bei der Bundeswehr.

Aber nicht nur in Nürnberg erlebten sie nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine erneut Diskriminierung: Ein Handwerksmeister, der als Kind aus Kasachstan nach Deutschland kam, musste sich fragen lassen, warum er nicht „richtig Deutsch“ spricht. Eine Frau wehrte sich dagegen, für Stalin, den AfD-Wahlsieg und Putins Krieg verantwortlich gemacht zu werden. Durch die Berichterstattung in den Medien sahen sich viele verunglimpft und bedroht. Auf deutschen Pausenhöfen wurde Krieg gespielt, die „Russen“ sind die Bösen und müssen sterben. Währenddessen bangen russische Zugewanderte oft um das Leben ihrer ukrainischen Verwandten. In den Familien wird viel darüber gestritten, wer schuld am Krieg ist: Putin – Selenskij? Kinder und Jugendliche leiden besonders unter den erbitterten Streitigkeiten.

Dr. Sabine Arnold zeichnet ein differenziertes Bild der unterschiedlichen russischsprachigen Communities, unter denen die russlanddeutsche die weitaus größte ist. Ihr Vortrag fragt, wie Zugehörigkeit entsteht, wo Vorurteile sie erschweren und welche Verantwortung Gesellschaft und Kirche tragen, wenn es darum geht, eine solidarische Gesellschaft aufzubauen, die nach innen und außen resilient ist gegen die Desinforma-tionskampagnen anderer.

Im Anschluss an ihren Vortrag ist Zeit für Fragen und Diskussion.

Referentin:

Dr. Sabine Arnold ist Osteuropahistorikerin, Slawistin und Referentin für kirchliche Arbeit in der Einwan-de-rungsgesellschaft im evangelisch-lutherischen Dekanat Nürnberg. Seit 2007 leitet sie bei der SinN-Stiftung die Arbeit mit Migrant:innen aus der ehemaligen Sowjetunion.