Kirche heißt widerständig zu sein in Gesellschaft. Hintergrundinfos zum FrauenSalon am 20.4. über die feministische Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel

Hier finden Sie Hintergrundinfos zum FrauenSalon vom 20.04.2026. Thema war zum 100 Geburtstag im April 2026 das Leben der feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel.

Ihr persönliches Credo formulierte sie 2008 anlässlich eines Interviews:

Kirche heißt widerständig zu sein in Gesellschaft.

Im Jahr 2008 hat die feministische Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel ein sehr inspirierendes Interview gegeben, das auf BibelTV abrufbar ist. Darin spricht sie vom widerständig sein, davon dass der Freiraum in Christus zu finden ist. Sie wurde in den 1970er Jahren durch die Frauenbewegung in den USA inspiriert. Sie trat für Frauenrechte ein und achtete auf Ungerechtigkeiten. In den USA waren Frauenrechte gleich Menschenrechte. Dieser Gedanke ist heute verloren gegangen. Während der Zeit des Nationalsozialismus, in der sie aufgewachsen ist, wurde sie durch die Bekennende Kirche sozialisiert. Die Bekennende Kirche lehrte sie, widerständig zu sein. Sie sah neue Werte der Kirche in dieser Widerständigkeit. Theologinnen von heute seien zu regelkonform. Deshalb stellt sie die Frage: „Was hat uns das Christentum heute noch zu sagen?“ Sie propagiert: „Raus aus der Schablone!“ Als Beispiel nennt sie den Aufbruch der Frauen mit der Konferenz in Berlin im Jahr 1974, als Sexismus in den Siebzigern ein großes Thema war. Die Frauen wollten sich aus der engen christlichen Basis befreien. Den heutigen, akademisch orientierten Weg sieht sie weit weg von den Frauen an der Basis. Für sie war die Basisarbeit wesentlich. Von unten her Leben reinbringen! In dieser Zeit verlor eine Theologin durch Heirat die Möglichkeit, ordiniert zu werden. Fähige Frauen wurden an den Herd verbannt. Elisabeth Moltmann-Wendel hat Theologie studiert, promoviert und vier Töchter geboren. Sie hat immer nachts gearbeitet und publiziert. Wie ist das heute? Wie fühlen sich junge Theologinnen angesichts der Repatriarchalisierung? Frauenarbeit wird nicht mehr als relevant betrachtet.

Anfang der 1980er Jahre griff der Evangelische Kirchentag das Thema der Gleichberechtigung von Frauen auf. Die Bibel anders lesen. Dorothee Sölle, so Elisabeth Moltmann-Wendel, sei eine der wichtigen Symbole für den Aufbruch. Die Figur der Martha aus der Bibel versteht sie als Symbol für Friedfertigkeit, Standhaftigkeit und eine souveräne Haltung als Frau. Sie sei eine ihrer liebsten Figuren. Sie nennt Maria Magdalena als erste Apostelin und Freundin Jesu, die oft verunglimpft wurde als Sünderin. Ihr Credo ist, dass Frauen die Bibel auf ihre eigene Weise lesen sollten. Sie kritisiert die Bibel in gerechter Sprache, da diese die Frauen nicht mündig macht. Sie spricht von der Mystik des Mittelalters. Von starken Frauen, die eine Stimme hatten: von Teresa von Avila und Hildegard von Bingen. Frauen sollten die Bibel kritisch lesen.

Für das Alter nennt sie: „Gib die Dinge der Jugend in Grazie auf.” Das Alter ist kreativ. Die alte Frau ist die weise Frau. Sie will Mut machen. Auch im Alter sollte Frau sich positionieren.

Was können wir von ihr lernen? Mündig zu sein. Die Bibel kritisch mit Frauenblick lesen und die Frauen der Bibel wertschätzend mit neuem Blick betrachten. Dabei propagierte sie eine von der Basis ausgehende Theologie.

08.04.2026

Dr.-Ing. Barbara Schmid

AK Frauen EAID