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Zum 100. Geburtstag der berühmten feministischen Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel

Am 20. April 2026 konnten wir die Expertin für feministische Theologie Dr. Brigitte Enzner-Probst als Gesprächspartnerin gewinnen. Sie gab uns einen bewegenden Einblick in das Leben und Wirken von Dr. Elisabeth Moltmann-Wendel und verwies auf das Studien- und Lesebuch “Ich bin gut, ganz und schön!”, welches sie zum 100. Geburtstag der Feministischen Theologin mit herausgegeben hat.

Dr. Brigitte Enzner-Probst gab einen Einblick in die sich gegenseitig inspirierende Beziehung der Eheleute Prof. Dr. Jürgen Moltmann und Dr. Elisabeth Moltmann-Wendel. Beide lernten sich in Wuppertal während ihres Theologiestudiums kennen. Er stammte aus einem liberalen Elternhaus. Seine Kriegserlebnisse brachten ihn zur Bibel. Sie lernte den Widerstand der Bekennenden Kirche kennen und studierte Theologie. Sie wollte nie Pfarrerin werden. Ihr Ziel war die Forschung, vor allem wollte sie Kinder und eine Familie. Unter anderem war sie Referentin in der bayerischen Landeskirche. Während einer Reise in die USA lernt sie die auf den Menschenrechten basierende Frauenbewegung kennen. Sie ist begeistert, liest die Bibel neu und deutet die Frauen in der Bibel in einem neuen Licht. Zum Beispiel Maria Magdalena, die sie als erste Apostelin versteht. Oder Martha, die für sie freiheitliches, selbstbewusstes Denken symbolisiert. In ihrem Buch „Frauen in der Bibel” revolutioniert sie die gängigen Interpretationen und fordert dazu auf, die Bibel neu zu denken. Ihr Credo lautete: „Menschlich sein in einer neuen Gemeinschaft.“ Denn, so sagte sie, „in Christus sind alle eins“. Damit öffnete sie einen Raum, um das in der Kirche überkommene, patriarchale Denkmodell aufzubrechen. In den Gesprächen zwischen den Eheleuten formulierte ihr Mann, dass der Herr im Mann sterben müsse, damit der Bruder geboren werden und leben könne. Enzner-Probst bezeichnet Moltmann-Wendel als mutige Theologin, denn sie plädierte für eine neue rituelle Gestaltung der beiden Sakramente. Sie verstand die Taufe nicht als Reinigung von der Erbsünde, sondern als Eintauchen ins Leben. Sie deutete das Blut Jesu beim Abendmahl als das Blut der Frauen, die neues Leben zur Welt bringen. Dabei verweist sie auf den Mönch Augustinus, für den das Gebären eine Erbsünde ist und auf den Mönch Pelagius, der ausgehend von der keltisch-irischen Schöpfungsspiritualität den „Ursegen“ des Körpers und damit des Gebärens neu betrachtet. Damit wird die Auferstehung des Leibes aus der Perspektive von Frauen betrachtet. Als wichtige Denkerin sah sie Hannah Arendt, deren Satz „Wir sind alle Geborene“, der vom Verzeihen und einem neuen Anfang spricht, Moltmann-Wendel zum Begriff des „verdankten Anfangs“ führte. Sie propagierte eine von der Basis ausgehende Gemeindearbeit, in der Liturgien und Rituale gemeinschaftlich entwickelt werden und in der alle Menschen im theologischen Denken mitgenommen werden. Als schöpferisches Ziel sieht sie, sich gesellschaftlich, politisch und kirchlich zu engagieren. Sie kreiert den Dreisatz „Ich bin gut, ganz und schön.“ Damit offenbart sie den Reichtum, der jedem Individuum innewohnt und der es zum Schöpferischen befähigt. Sie mahnte, die Bibel würde heute oft unreflektiert gelesen, als ein „Reden über“. Das würde der Bibel nicht gerecht. Liturgien sollten wandlungsfähig sein, durchlässig, alle mitnehmen. Eine menschliche Haltung, ein offener Blick könnten viel verändern. Christologie und Schöpfung müssten zusammen gedacht werden. Sie propagiert Gott als Mutter zu denken, mit dem Blickwinkel des “Mitgeschöpflichen” einander Wahrnehmens.

Dr.-Ing. Barbara Schmid 13.07.2026

Für den AK Frauen

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