Ökumenischer Abend 2020 Nachbericht

Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen referierte am 23.01.2020 ab 18 Uhr in der Erlöserkirche, Essen, Prof. i. R. Michael Weinrich über die ökumenischen Potenziale des ev. Theologen Karl Barth.

Etwa 50 Gäste waren der Einladung gefolgt. Die liturgische Leitung hatte Pfr. Greifenberg von der ev. Gemeinde, die Moderation incl. Vorstellung des Referenten erfolgte durch Dr. R. Diersch vom LV Rheinland der evangelischen Akademikerschaft.

Prof. Weinrich machte die Sicht der Ökumene Karl Barths an 8 Punkten fest:

  1. Am befreienden Moment “Exodus“: Gott führte Israel einst aus Ägypten in die Freiheit – auch in die Glaubensfreiheit
  2. Es entstanden viele christl. Konfessionen, die immer wieder die “Ökumenische Frage” aufwerfen. Außer Acht gelassen wird dabei häufig die “Ökumene mit den Juden”, dem Volk des alten Bundes. Diese “Ersterwählten” gehören für Karl Barth auch zum Volk des treuen Gottes und müssen deshalb nicht missioniert werden, so Weinrich.
  3. Kirche muss bekennend sein/werden, und zwar muss sie sich immer wieder neu zu Jesus Christus bekennen. Dies setzt voraus, dass jedes Mitglied, aber auch Kirche als Ganzes zur eigenen Umkehr bereit ist.
  4. Als grundlegend einendes Band macht Karl Barth den Glauben an die Auferstehung aus, der allen christlichen Konfessionen gemein ist.
  5. Das Christliche Leben muss im Alltag ein politischer Gottesdienst sein, der nicht mehr nach der Pfeife des Todes tanzt. “Wer sich der Macht des Todes beugt, leugnet die Auferstehung.”
  6. Die ökumenische Substanz ist für Barth die Bibel. In der “Wort-Gottes-Theologie” ist und bleibt Gott lebendig im Wort, das immer wie neu klingt im Wandel der Zeiten.
  7.  Das Christentum ist Offenbarungsreligion. D.h. Gott offenbart sich den Menschen, die Antwort des Menschen darauf ist die Entwicklung von Religion, die als Klammer für Gläubige bestimmte Lebensformen vorschlägt.
  8. Die Theologie der Religionen muss im Umgang mit anderen Religionen bedenken, dass Wahrheit “unverfügbar” ist. Nur wer über der Wahrheit steht, kann sie erkennen. Nur Fundamentalisten fühlen sich auf Augenhöhe mit der Wahrheit und laufen Gefahr, dass ihre Religion zu Ideologien verkommen. Deshalb müssen christliche Religionen ein selbstkritisches Verhältnis zur Wahrheit bewahren.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Barth die Inhalte des 2. Vatikanums der kath. Kirche (Öffnung zur Welt) in der ev. Kirche bekannt machte. Das setzte auch in der Ökumene neue Impulse, es war plötzlich – nach 450 Jahren Trennung – von “versöhnter Verschiedenheit” die Rede. Man kam wieder ins Gespräch. Die Entwicklung geht weiter, inzwischen wird sogar von “versöhnter Vielfalt” gesprochen. Dies gibt der Ökumene Raum, endlich das Einende zu betonen, ohne die Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen zu vergessen.

In seinen Fürbitten, die der Diskussion folgten, erinnerte der Ehrenvorsitzende der Kath. Akademiker Ruhr (KAR), Prof. Hans Waldenfels, an die Verschiedenheiten jedes Einzelnen hinsichtlich Herkunft, Familie, gesellschaftl. Umfeld und Religion, die es für ein gedeihliches Zusammenleben zu beachten und zu respektieren gilt. Dazu erbaten die Gläubigen die Hilfe Gottes.

Wie immer endete der Abend bei Wein und Imbiss im hinteren Teil der Kirche in einem “ökumenischen Dialog”, der bis nach 21:00 Uhr rege genutzt wurde.

Franz Kampmann, KAR