EaiD - Evangelische Akademikerschaft in Deutschland

Beten für den Frieden?

Eine durchaus geteilte Meinung zum vernetzten Friedensgebet der EAiD zieht sich durchs Bundesgebiet. Wir haben Stimmen aus der Mitgliederschaft gesammelt. Was denken Sie über die Aktion? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Gerhard Lenssen: „Hilfloses, ja in gewissem Sinn unehrliches Geschwülst“

Ich frage mich, ist dies noch die Evangelische Akademikerschaft, der ich schon über ein halbes Jahrhundert zugehöre? Gebetsformulierungen wie ›Quelle des Lebens‹, ›ewiger Strom der Liebe‹, ›Kraftstrom des Friedens‹ etc., nein, meine Sprache ist das nicht, ich empfinde das nur als hilfloses, ja in gewissem Sinn unehrliches Geschwülst. Die evangelischen aspekte sollten versuchen, Wege zu finden, wie wir mit Gott leben können, obwohl er dies alles nicht verhindert.  Ich kenne keinen. Gibt es jemanden, der einen kennt?

Gerhard Lenssen ist Mitglied im Landesverband Pfalz-Saar

Ruth Ursula Schmidt: „Endlich wieder wichtige Stimme jenseits von fruchtlosen Diskussionen“

Für den Gedanken, gemeinsam als EAiD für den Frieden zu beten, möchte ich Ihnen sehr danken. Darin zeigt sich für mich als ehemalige weibliche Vorsitzende des Landesverbandes Westfalen wieder die Fähigkeit unseres Verbandes, jenseits von fruchtlosen Diskussionen und manchmal auch Selbstdarstellungen wie früher eine wichtige Stimme in der EKD zu sein. Auch die aspekte lese ich wieder mit großem Interesse.

Ruth Ursula Schmidt ist Mitglied im Landesverband Westfalen

Dorothea Friederici: „Wie wichtig Friedensgebete sind, habe ich in den achtziger Jahren in der Friedensbewegung gelernt.“

Vor gut einem Jahr haben wir in meiner Nachbarschaft angefangen, uns jeden Montag um 18.00 Uhr zu treffen, um für den Frieden zu beten. Wir sind keine große Gruppe, etwa 10 bis 12 Frauen kommen regelmäßig. Wir richten uns nach einer Vorlage aus der Frauenkirche in Dresden. Sie lässt Zeit für das eigene Gebet und auch für das Gespräch über die gegenwärtige Lage.

Seit Januar gibt es nun die Aktion des „vernetzten Friedensgebetes“, das vom Bundesvorstand der Evangelischen Akademikerschaft initiiert wird. Ich bin der EAiD sehr dankbar dafür. Wir verarbeiten diese Anregungen in die von uns gebrauchte Dresdener Vorlage und freuen uns über die Anregungen und Aktualisierung. Wir gebrauchen diese Vorlage nicht, wie vorgeschlagen, am Mittwoch um 18.00 Uhr, sondern am darauf folgenden Montagabend. Ich bin davon überzeugt, dass der Zeitpunkt nicht entscheidend ist, sondern dass wir das Anliegen im Gebet vor Gott tragen.

Wie wichtig Friedensgebete sind, habe ich in den achtziger Jahren in der Friedensbewegung gelernt, und die Montagabend-Friedensgebete in der DDR haben dazu beigetragen, dass die Vereinigung der beiden Deutschlands möglich wurde, ohne großes Blutvergießen. – Ja, ich glaube fest daran, dass Gott unsere Gebete hört. Da lerne ich von Dietrich Bonhoeffer: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott“, das heißt: Er bleibt der Herr der Erde.

Dorothea Friederici war von 2009 bis 2012 Bundesvorsitzende der EAiD.

Hermann Preßler: „Es tut mir weh, aber ich kann nicht mitbeten.“

In seinem Roman „Hiob“ lässt Joseph Roth seinen Protagonisten Mendel Singer, über dessen Familie großes Unglück hereingebrochen war, einmal sagen: „’Ich bete nicht.’ Aber es tat ihm weh, dass er nicht betete.“ So, ich bekenne, geht es mir angesichts der Einladung zum „vernetzten“ Beten. Ich habe noch kein einziges Mal zur vereinbarten Zeit mitgebetet, wenn die Eingeladenen den „Gebetsruf des Internets“ mit dem vorgeschlagenen Gebet vernehmen. Dabei stören mich keineswegs die Gebetsinhalte. Und ich bete ja durchaus auch „sonst“, z.B. abends vor dem Einschlafen. Eine vertraute Übung. Sie tut nicht weh, sie tut gut. Aber ich „informiere“ mit meinem „Text“ niemanden außer mich und Gott. Ich überlege vor ihm, was mich bewegt, wofür ich dankbar bin und was ich ganz gerne anders hätte. Ich gehe also davon aus, dass Gott ein „Macher“ und ein „Mitmacher“ ist, ein selbst und mit mir (und anderen) Handelnder. Was guttut: Manchmal Trost und Hoffnung und Ansporn zu finden.

Die Gebete „aus“ der Akademikerschaft informieren, meditieren (sie klagen, zeigen Gefühle, nehmen eine bestimmte Perspektive ein...) und aktivieren. Diese Trias ist mir sympathisch. Da ist zusammengewachsen, was man nicht trennen sollte. Und ich kann doch nicht überzeugt mit-machen. Ich weiß, dass viele Menschen die getexteten Inhalte nicht einfach nachbeten, sie würden sie diskutieren wollen. Denn auch die Umsetzung der zumeist artikulierten humanitären Hoffnungen/Bitten versteht sich nicht von selbst. Die Gebete sind aber keine Handlungsanleitung, können es nicht sein. Gerne räume ich ein, dass die veröffentlichten Gebete den „Verantwortlichen“ (Politiker, „Mächtige“) auch Handlungsspielraum lassen, also in einer (nicht beliebigen!) Offenheit formuliert sind.

Was wir zur Herstellung „des“ Friedens in den Konfliktgebieten der Welt benötigen, sind aber überzeugende Handlungsperspektiven. Denn die Gebete geben ihrem Wortlaut zufolge zu erkennen, dass Gott nicht von selbst handelt. Gott „kann“ wohl uns sensibilisieren, stärken, wachrütteln, öffnen usw, aber er scheint nicht direkt den Mördern, Fanatikern, Grenzen-Dicht-Machern usw. das Handwerk legen oder den syrischen Flüchtlingen eine neue Heimat bieten zu „können“. Handeln müssen(!) wir, bzw. die Involvierten, die LeserInnen. Doch: Wo und wie? Es tut mir weh, aber ich kann nicht mitbeten. Und was „stimmt“ nun: Dass Gott keine anderen Hände habe, um unsere (politisch- gesellschaftliche) Arbeit heute zu tun? Wobei die Gebete zugleich annehmen, Gebetserhörung geschehe, indem Gott uns als Personen zum Handeln bewegt. Anders gefragt: Sind die Grenzen unserer Person die Grenzen von Gottes Handeln?

Hermann Preßler ist Mitglied im Landesverband Pfalz-Saar der EAiD und Redaktionsmitglied der „evangelischen aspekte“.

ea vor Ort

ea vor Ort

Wir laden Sie ein zur Teilnahme am „vernetzten Friedensgebet“:

- Menschen vereinen sich zu einem gemeinsamen Gebet.

- Sie stehen füreinander ein -  für sich und für die Welt.

- Sie beten zum selben Zeitpunkt – wenn auch an unterschiedlichen Orten.

Jeden Mittwoch um 18.00 Uhr suchen wir Ruhe und sprechen das vorgesehene Friedensgebet.

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Im Lontel 31, 71254 Ditzingen